Aaaachtung, der folgende Text könnte den ein oder anderen Spoiler enthalten. Wenn ihr Mass Effect 3 also noch nicht durch habt, solltet ihr jetzt schleunigst diese Seite verlassen. Falls ihr doch weiter lest, sagt später nicht, ihr wäret nicht gewarnt worden!
So schlecht kann es doch gar nicht werden! Das habe ich mir während der fast 40 Stunden Mass Effect 3 immer wieder eingeredet. Bioware hatte doch den ganzen Rest der Serie so unfassbar gut und episch hinbekommen, da können sie doch jetzt bei der letzten Mission, der finalen, alles entscheidenden Schlacht nicht schlapp machen. Doch ich habe vergeblich gehofft. Zwar fängt der finale Kampf mit unglaublich coolen Render-Sequenzen an - so wie man sie halt erwartet, nur 10mal so episch - doch dann folgt ein unterirdisch einfallsloses Laufe-mit-deinem-Squad-von-A-nach-B-und-töte-alle-Gegner-Level, das sich kaugummiartig in die Länge zieht. Keine heiklen Entscheidungen, die getroffen werden müssen, niemanden den man in Spezialistenteams einteilen muss, nur ich, Tali und Garus, die sich stumpf durch Reaper-Horden ballern.
Unterbrochen wird das ganze nur durch eine kurze Lagebesprechung, vor der ich noch einmal mit einigen Crewmitgliedern und Freunden reden kann, gefolgt von einer finalen Ansprache vor versammelter Mannschaft. Noch ein paar Gegnerhorden später finde ich mich auf der Citadel wieder. Etwas Gerenne, etwas Gelaber und einige - zugegeben wieder recht coole - Cutscenes, stehe ich vor meiner letzten Entscheidung. Und was habe ich für tolle Optionen!
Nr. 1: Ich gehe eine Symbiose ein, wodurch sich - aus welchem Grund auch immer - alles Leben in der Galaxie verändert.
Nr. 2: Ich versuche die Reaper zu kontrollieren, was aber wahrscheinlich von nur mittelfristigem Erfolg sein wird.
Nr. 3: Ich zerstöre alles synthetische Leben in der Galaxie inkl. Reapern.
Und das Beste: Egal was ich mache, ich gehe auf jeden Fall dabei drauf!
Ich habe mich übrigens für die dritte Variante entschieden. Und nun? Ich sterbe, die Reaper werden vernichtet, die Masseneffektportale werden vernichtet, die Normandy stürzt ab und landet auf einem wunderhübschen Urwaldplaneten not. Joker, Tali und Garrus steigen unversehrt aus. Es ist zu Ende. Nie wieder werde ich, Commander Pad Shepard, einen Fuß auf die Normandy setzen, Seite an Seite mit meiner Crew - meinen Freunden - kämpfen, die Galaxie gegen ihre Feinde schützen. Denn die Galaxie ist jetzt frei und ich bin tot.
Doch was wird aus den anderen? Alle Spezies sind im Krieg näher zusammen gerückt aber wie wollen sie weiterleben? Wie kommen sie zurück auf ihre Heimatplaneten? Die Masseneffektportale sind zerstört und mit normalen ÜLG-Antrieben bräuchte man mehrere Jahrzehnte. Tali wird also nicht zu ihrem lang ersehnten Haus auf Rannoch kommen und Garrus wird wohl nie wieder Palaven betreten. Was wird aus Joker? Die beiden Dinge, die er am meisten geliebt hat, EDI und die Normandy, sind fort. Was macht Tali jetzt ohne mich? Warum konnte ich keine friedliche Zukunft mit ihr haben, in dem Haus an der Stelle an der sie als erste Quarianerin seit Jahrhunderten einen Fuß auf Rannoch gesetzt hatte? Warum musste ich sterben? Ja, ich - erste Person. Denn das war nicht irgendein x-beliebiger Videospielcharakter, der von ein paar Polygonen dahingerafft wurde, es war Pad Shepard, mit dem ich viele Stunden, ja Tage, in dieser Galaxie verbracht habe, mit dem ich so viel erlebt habe, mit dem ich bei jeder falschen Entscheidung, jedem Rückschlag aber auch jedem Erfolg mitgefühlt habe. In einer gewissen Weise war er ich.
Jetzt ist alles vorbei und irgendwie fühle ich mich traurig und leer. Ich wollte nicht, dass es so endet.
Keelah se'lai.